Werkeinführungen zu "Klassik am Nachmittag"

Matvei Isaakowitsch Blanter (1903 – 1990), Sohn eines jüdischen Kunsthandwerkers, zählt zu den wichtigsten sowjetischen Komponisten für Popular- und Filmmusik. Zu seinen bekanntesten Kompositionen gehören „Katjuscha“ und „Lied über Shchors“. Der Komponist schrieb Lieder im Stile der Soldaten-Lieder zur Zeit des Russischen Bürgerkrieges (1918 – 1921).
Das Lied über Schtschors thematisiert die Erzählung über den Kommandanten Nikolai Shchors, nach der er trotz schwerer Verletzungen seine Armeeeinheit anführt. Das Erscheinen und der Abgang von Schtschors Kavalerieeinheit wird durch Wechsel in der Lautstärke verdeutlicht: nach einem Crescendo am Anfang klingt der laute und schwungvolle Mittelteil in einem Decrescendo aus.

Dmitri Dmirijewitsch Schostakowitsch (1906 – 1975) wurde durch seine Mutter, eine Pianistin, frühzeitig musikalisch geprägt und im Klavierspiel unterwiesen. Ab 1919 studierte er am Leningrader Konservatorium Klavier und Komposition. Schon in den letzten Studienjahren erlangte er durch seine ersten Sinfonien Ruhm und gewann das Ehrendiplom beim ersten Internationalen Chopin-Wettbewerb. Später wirkte er als Pianist und musikalischer Mitarbeiter an Leningrader und Moskauer Bühnen und komponierte daneben Bühnen- und Filmmusiken. Ab 1937 unterrichtete er am Konservatorium seiner Vaterstadt, ab 1943 in Moskau. Ab den 1960er Jahren wurde seine Gesundheit mehr und mehr beeinträchtigt, 1975 starb Schostakowitsch an einem Herzinfarkt.

Gustav Cornelius Gurlitt (1820 – 1901) erlernte in seiner heute zu Dänemark gehörenden Heimatstadt Altona das Klavierspiel und setzte seine musikalischen Studien 1840 in Kopenhagen in Orgel und Komposition fort. In Hirschholm bei Kopenhagen lebte Gurlitt als Musiklehrer, ehe 1845 auf Grundlage eines dänischen Stipendiums eine Studienreise durch Deutschland über Wien nach Italien antrat. Anschließend machte er in Leipzig Bekanntschaft mit Albert Lortzing sowie Robert und Clara Schumann. In Rom erhielt er an der dortigen Akademie der Tonkunst den Titel eines Professors der Musik und wurde Ehrenmitglied. Ab 1846 ließ er sich in Altona nieder, um Musik zu unterrichten. Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Dänemark und den Herzogtümern wurde Gurlitt nach Rendsburg gerufen und als Musikdirektor mit der Neuorganisation der Armeemusik beauftragt. Ab 1864 wirkte er in Altona als Leiter der Liedertafeln und wurde 1874 zum königlich preußischen Musikdirektor ernannt. Von 1879 bis 1887 lehrte Gurlitt am Hamburger Konservatorium und wurde Ehrenmitglied des Hamburger Tonkünstlervereins.

Anton Diabelli (1781 – 1858) wurde von seinem Vater in Gesang, Klavier, Orgel und Violine unterwiesen, später sang er im Chor des Benediktinerstifts Michaelbeuren und erhielt Unterricht an Kapellhaus beim Salzburger Dom. 1803 wirkte Diabelli in Wien als Klavier- und Gitarrenlehrer, dort entstanden auch zahlreiche Werke und Arrangements. Diese erschienen im Verlag S.A. Steiner, für den Diabelli auch als Korrektor arbeitete, später gründete er den Verlag Cappi & Diabelli für die Verlegung seiner eigenen Werke und österreichischer Komponisten. Sein Partner Pietro Cappi stieg 1824 aus und Diabelli firmierte mit Anton Spina als Teilhaber, ehe er sich 1851 aus dem Geschäft zurückzog. Der Komponist schuf neben Unterrichts- und Studienliteratur eine Vielzahl von Werken für das Ensemble Violine, Viola, Violoncello, Flöte, Gitarre und/oder Klavier. Heute sind einige seiner Klavierkompositionen am bekanntesten.

Robert Schumanns (1810 – 1856) musikalische Begabung wurde von seinem Vater frühzeitig gefördert. Er erhielt Klavierunterricht durch den Organisten Kuntsch und konnte bei häuslichen Konzerten sein Können unter Beweis stellen. Ab 1828 studierte Schumann auf Wunsch seiner Mutter Jura in Leipzig, ließ dort jedoch Vorlesungen ausfallen, um Klavier zu üben. Später wechselte er an die Universität Heidelberg; in dieser Zeit, in der sich kompositorisches Talent bereits ankündigte, reiste er auch in die Schweiz und nach Italien. Um 1830 konnte er seine Mutter schließlich von seinem Wunsch eines Musikstudiums überzeugen; so ließ Schumann sich von Friedrich Wieck in Leipzig zu Virtuosen ausbilden. Aufgrund einer Lähmung seiner rechten Hand durch übermäßiges Üben konnte er seine Virtuosenlaufbahn jedoch nicht weiter verfolgen. Bis 1839 widmete der Komponist sein musikalisches Schaffen einzig dem Klavier. Ab 1834 war Schumann, auch literarisch begabt, zehn Jahre lang Redakteur der von ihm gegründeten „Neuen Zeitschrift für Musik“. 1843 konnte ihn Mendelssohn Bartholdy als Lehrer für das Leipziger Konservatorium gewinnen. Später lebte er zurückgezogen in Dresden, bevor er sich längere Zeit in Wien aufhielt. Es folgten unruhige Jahre, die von der 48er Revolution geprägt waren. 1850 wurde Schumann Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf, dieses Amt legte er jedoch wegen gesundheitlicher Probleme und Konflikten mit den Orchestermusikern nieder. 1856 verstarb Schumann in Endenich.
Das Album für die Jugend op. 68 komponierte Schumann 1848 für seine Tochter Marie. Die einzelnen Stücke sollen musikalisches und ästhetisches Bewußtsein schulen und sind Hausmusik, Unterrichtsmaterial und Klavierschule in einem.
Der Faschingsschwank aus Wien hat thematisch einen starken Bezug zum früheren Carnaval und das letzte Werk einer eindrucksvollen Reihe von Schumanns frühen Klavierschöpfungen.

Mozart konzertierte in Kindertagen mit seiner Schwester Maria Anna bei Tourneen durch die europäischen Musikzentren vierhändig am Cembalo, damals eine Besonderheit, da die kleinen und kurzen Tasten des Cembalos das Vierhändigspiel erschwerten. Daher wurde das besondre Können der Geschwister gefeiert. Das vierhändige Spiel begann erst richtig mit Mozarts Kompositionen. Von Zeitgenossen wurde das vierhändige Spiel aufgegriffen, Seitdem gab es eine Vielzahl von Kompositionen für Klavier zu vier Händen, an deren Erschaffung sich auch Schumann und Mendelssohn Bartholdy rege beteiligten.

Charles Gounod (1818 – 1893) studierte bei Antonin Rejcha, einem Schüler Salieris, und später am Pariser Conservatoire. Für seine Kantate Fernand erhielt er den Rom-Preis; später bildete er sich in Italien weiter. Nach seiner Rückkehr visierte Gounod zunächst die kirchenmusikalische Laufbahn an, die Bekanntschaft mit Hector Berlioz und deutscher Musik beeindruckte ihn aber so sehr, daß er sich weltlichen Kompositionen zuwandte. In Paris leitete er den dortigen Orphéon-Chor, 1870/71 ging er nach London und gründete dort die Royal Choral Society, in seinen letzten Jahren wandte er sich wiederum der Kirchenmusik zu. Gounod wirkte an der Herausbildung eines Eigenstils der französischen Musik mit, indem er diese von deutschen und italienischen Einflüssen befreite.
Das Ave Maria basiert auf dem Präludium Nr. 1 in C-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach und wurde von Charles Gounod 1852 als Méditation sur le premier prélude de Bach komponiert und sieben Jahre später mit dem Text des Ave Maria-Gebets unterlegt. Gounod verwendet dabei den weitgehend unveränderten Satz als Begleitung für seine eigene Melodie.

Das Leben Antonín Dvořáks (1841 – 1904) ist eine im 19. Jahrhundert seltene Erfolgsgeschichte: bei seinen musikalischen Studien (Violine, Orgel, Bratsche) erwarb er umfassende Kenntnisse in verschiedenen Traditionen und Stilen der Musik. Später lässt sich an bestimmten Werken nachvollziehen, wie sich der aus einfachen Verhältnissen stammende Komponist nach und nach internationale Anerkennung erarbeitete: mit Die Erben des weißen Berges gelang ihm der nationale Durchbruch, mit den Slawischen Tänzen schließlich der Durchbruch in Mitteleuropa, die Aufführung seiner Werke durch namhafte Dirigenten wie Hans Richter verhalf dem Komponisten zu Weltgeltung. Bezeichnend für seine Musik ist die Leichtigkeit und scheinbare Unerschöpflichkeit der Melodien, die meisterliche Handhabung der Instrumentation und das unverwechselbare nationale Timbre, wobei sich Dvořák auch von verschiedenen musikalischen Einflüssen inspirieren ließ. In dieser Synthese liegt seine musikhistorische Leistung; in allen Gattungen schuf er wichtige Werke.
Dvořák schrieb seine Sonatine für Violine und Klavier G-Dur op. 100 für seine Kinder. Sie ist daher nach seinen eigenen Worten „bestimmt für die Jugend, aber auch große, Erwachsene sollen sich daran unterhalten (...)“. Der Komponist hielt die kurzgefaßte Sonatine mit einem übersichtlichen Aufbau technisch spielbar und inhaltlich verständlich. Das Finale ist besonders interessant: in diesem Sonatensatz folgt eine ruhige, aufsteigende Melodie im ansonsten lebhaften Musizieren auf die trommelnden Rhythmen des vorherigen Seitenthemas.

Frédéric Chopin (1810 – 1849), Sohn einer Polin und eines immigrierten Franzosen, trat bereits mit acht Jahren öffentlich auf. Am Konservatorium in Warschau wurde er von Joseph Xaver Elsner unterrichtet. Seine Virtuosenkarriere begann 1827 in Warschau und setzte sich zwei Jahre später in Wien fort. Dort entstanden seine ersten Kompositionen, Chopin war zu dieser Zeit bereits ein vollendeter Virtuose und Komponist. In Paris erlangten die Salons – Treffpunkt der geistigen und künstlerischen Elite – durch Chopin, der keine öffentlichen Konzerte gab, ein neues künstlerisches Niveau. Daneben war seine Lehrertätigkeit seine wichtigste Einnahmequelle. 1835 erkrankte er an Tuberkulose. Ein Klosteraufenthalt auf Mallorca brachte keine Heilung; Chopin kehrte von Konzertreisen nach London und Schottland entkräftet nach Paris zurück und verstarb dort 1849. Dem Klavier, für das er ausschließlich komponierte, erschloß der Komponist neue lyrische und dramatische Nuancen. Sein Klavierstil ist geprägt von Neuerungen in der Melodik und Figurationstechnik. Die Wirkung seines Klavierwerkes auf die Nachwelt ist einzigartig; noch zu Lebzeiten huldigte ihm Robert Schumann („Hut ab, ihr Herren, ein Genie!“), Komponisten wie Grieg und Rachmaninov zehrten von seinem Stil.
Chopins kraftvolle Polonaisen sind Bekenntnisse zu seiner Heimat, wo sie eine stattliche Tradition hatte. Vor Chopin näherten sich Komponisten wie Haydn oder Beethoven diesem Schreittanz mit einer Mischung aus Festlichkeit, Marschcharakter und Elastizität.
Von den Drei Walzern op. 64 ist der zweite in cis-Moll thematisch gehaltvoll mit einer erlesenen zweistimmigen Melodie.
Im Nocturne Nr. 1 b-Moll op. 9 ist eine teils reich verzierte, melismatische Melodie über Arpeggien in der linken Hand gelegt. Die Wechsel zwischen Dur- und Mollterzen erzeugen eine changierende Wirkung auf den Hörer. Das zweite Nocturne in Es-Dur zählt auch dank einer Bearbeitung von Pablo de Saraste zu den populärsten. Der Reiz liegt in der melodischen Erfindung und den artistischen Ansprüchen.

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